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Blütenvielfalt

Projekte

Über das Projekt

Das Projekt „Blütenvielfalt” hat sich zum Ziel gemacht, den Artenbestand einer Blühwiese über einen gesamten Vegetationszeitraum 2021 zu erfassen. Die Frage, die die Beteiligten umtrieb: Wie steht es aktuell um die Artenvielfalt der zur IGA Berlin 2017 angelegten Wildblumenwiese oberhalb des Gottfried-Funeck-Weges im Kienbergpark?

Das Projekt Blütenvielfalt ist ein sogenanntes „Realexperiment“, innerhalb des Reallabors Kienbergpark. Ein Realexperiment ist eine Mitmachaktion, bei der konkrete Ideen von engagierten Parknutzer*innen entwickelt und eigenverantwortlich umgesetzt werden.

Förderung der ökologischen Vielfalt

Ein blühender Sommerfliederstrauch ohne Schmetterlinge, ein Kirschbaum ohne Bienen? Insekten sind rar geworden, ebenso wie ihre Lebensräume: Artenreiche Wiesen. Unter Wiesen versteht man naturnah entwickelte ausdauernde Pflanzengemeinschaften aus Gräsern und Kräutern. Es dominieren verschiedene Grasarten, deren Stand unterschiedlich durch Blütenstauden und einjährige Sommerblumen aufgelockert wird. Wildblumenwiesen zeichnen sich durch eine hohe biologische Vielfalt aus und sind ein lebendiger, ökologisch wertvoller Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren. Durch das gezielte Anlegen und die extensive Pflege von Wildblumenwiesen soll dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegengewirkt werden.

Vorgehen

Engagierte Parknutzer*innen, darunter Vereinsmitglieder der Freunde der Gärten der Welt e.V., des Freilandlabors Marzahn, Park-Guides und interessierte Bürger*innen, erfassten den Blütenbestand auf der Wildblumenwiese oberhalb der Kienbergterassen von April bis September 2021. Jeweils zwei Mal im Monat traf sich die Gruppe, um unter fachkundiger Anleitung von Dr. Barbara Rank, Botanikerin und Mitglied der Steuerungsgruppe, zu erfassen, was in welcher Häufigkeit blühte. Zu diesem Zweck wurde eine Blütenfibel erstellt, die immer wieder durch Neuentdeckungen ergänzt wurde.

Beitrag zur ökologischen Vielfalt

Im Laufe der Saison wurden die Samen der ökologisch wertvollsten Arten der Wildblumenwiese gesammelt, getrocknet und in 500 Samentüten verpackt. Sie werden, wie auch der Blühkalender, vom Umweltbildungszentrum am Kienbergpark für Programme des Campus Stadt Natur – Umweltbildung eingesetzt. Eine Auswahl der 9 ökologisch wertvollsten Pflanzenarten stehen hier als Steckbriefe zum Download zur Verfügung. Auf diese Weise leistet das Realexperiment einen Beitrag zum Verständnis zur Vermittlung und zur Verbreitung der ökologischen Vielfalt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die betrachtete Wildblumenwiese im Kienbergpark eine hohe Artenvielfalt aufweist. Zunächst wurde der Artbestand der 2016 ausgesäten Arten betrachtet. Von den zehn in der Aussaatliste von 2016 gelisteten Wildblumenarten konnten zwei nicht nachgewiesen werden. Die restlichen Arten wurden allesamt auf der Wiese gefunden. Es wurden außerdem sehr viel mehr neue Arten auf der Wiese entdeckt, nämlich insgesamt 69 Pflanzenarten. Unter ihnen auch ein paar sehr seltene Arten, wie bspw. die Kornrade. Eine Übersicht über die am häufigsten anzutreffenden Arten bietet der erstellte Blühkalender.

Von den insgesamt 69 Arten (außer den Gräsern) wurden 29 Arten nur als Einzelexemplare gefunden und sind deshalb im Blühkalender nicht berücksichtigt. Der Blühkalender der 29 Restarten gibt eine Übersicht über die seltenen Arten auf der Wiese.

Die Wildblumenwiese im Kienbergpark
© Gerhard Pritzlaff
Eine Person trägt etwas in eine Blütenfibel ein
© Gerhard Pritzlaff
Eine Gruppe sortiert an einem Tisch Samen
© Gerhard Pritzlaff

In der Saatliste von 2016 waren zudem drei Gräser-Arten vermerkt. Das 2016 gesäte Silbergras wurde 2021 nicht mehr entdeckt. Bei der Artenerfassung wurden jedoch insgesamt 19 Gräser-Arten gefunden. Die zusätzlichen 17 Gräser-Arten sind vermutlich durch Windausbreitung auf die Wiese eingewandert.

Auch die Insektenvielfalt wurde im Projekt erfasst. Im Bestäuber-Netzwerk auf der Wiese wurden 68 verschiedene Insektenarten gefunden. Dabei wurden die unterschiedlichsten Insekten beobachtet: Von einer Ameisenart, über 14 Käferarten bis zu 20 verschiedenen Wildbienen-Arten. Eine Übersicht über die beobachteten Insektenarten findet sich im Blühkalender.

Workshop „Die Wildblumenwiese – ein Beitrag zur ökologischen Vielfalt“

Die Ergebnisse wurden auf einem Workshop am 17.03.2022 60 Fachexpert*innen und Interessierten der Grünflächenpflege und -entwicklung vorgestellt. Dabei wurde auch die Pflege und Mahd von Wildblumenwiesen thematisiert. Die extensive Pflege von Wildblumenwiesen dient der Förderung der ökologischen Vielfalt. Generell ist es zu empfehlen, Wiesen zweimal im Jahr abschnittsweise zu mähen, dabei einmal im Juni und das zweite Mal im Zeitraum August-September. Störarten wie beispielsweise Brombeerbüsche sollten in regelmäßigen Abständen entfernt werden, um die Ausbreitung von Hochstauden und Büschen zu verhindern. Bei der Mahd ist der Senseneinsatz dem Maschineneinsatz vorzuziehen, um die ökologische Vielfalt noch stärker zu fördern.

Hintergrund

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes „GartenLeistungen“ (2019-2022) führte die Grün Berlin GmbH im Jahr 2021 zwei Reallabore im Park am Gleisdreieck und im Kienbergpark durch. Reallabore sind ein neues Format der Bürger*innenbeteiligung, bei der das konkrete Tun in der Praxis im Vordergrund steht. Sie sind speziell geschaffene Experimentierräume und bieten einen Ort zum Entwickeln von Ideen im Umgang mit zentralen Herausforderungen in Parkanlagen. Im Reallabor Kienbergpark standen der Naturschutz und die Naturbeobachtung im Fokus der geplanten Aktivitäten. Im Park sind bereits viele Nutzer*innen aktiv und es gibt zahlreiche Umweltbildungsangebote vor Ort.

Mehr zum Thema erfahren (externer Link)

Downloads

Flyer Wildblumenwiese Kienbergpark

1.44 MB - pdf

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Blütenvielfalt 9 Steckbriefe

2.56 MB - pdf

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Blühkalender

1.45 MB - pdf

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Blühkalender 29 Restarten

546.75 KB - pdf

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Kontakt

Vivien Franck

Projektmanagerin Blütenvielfalt

Projektmanagerin